Geopolitische Risiken und Hitze halten die Energiemärkte im Juli in Bewegung
Zusammenfassung
Der Energiemarkt blieb auch im Juli volatil. Während die durchschnittlichen Strompreise am Spotmarkt leicht nachgaben, zogen die Terminmarktpreise deutlich an.
Am Gasmarkt sorgten vor allem die erneuten Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine begrenzte LNG-Verfügbarkeit und niedrige europäische Speicherstände für steigende Preise. Gleichzeitig belasteten wiederkehrende Hitzewellen den Strommarkt: Der Kühlbedarf stieg, während warmes Flusswasser die Kernkraftproduktion einschränkte. Niedrige Pegel an Rhein und Donau erschwerten zusätzlich den Transport von Energieträgern und reduzierten die Verfügbarkeit von Wasser- und Wärmekraftwerken. Dadurch reagierte der Markt besonders empfindlich auf Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom.

Spotmarktpreise sinken trotz zunehmender Volatilität
Die durchschnittlichen Strompreise am Spotmarkt gingen im Juli leicht zurück. In Deutschland lag der Monatsdurchschnitt bei 105,45 €/MWh und damit unter dem Niveau von Juni. Besonders deutlich war der Rückgang in den Spitzenlastzeiten aus: Hier sank der Durchschnittspreis um mehr als 20 €/MWh.
Trotz des niedrigeren Monatsdurchschnitts schwankten die Preise im Juli stark. Zu Monatsbeginn lagen sie bei rund 100 €/MWh. Zur Monatsmitte stiegen sie an und erreichten in der letzten Juliwoche ein deutlich höheres Niveau. Der Grund dafür war vor allem die geringere Windstromerzeugung. Dadurch mussten häufiger Gas- und Kohlekraftwerke eingesetzt werden, um die Nachfrage zu decken. Da diese Kraftwerke Strom zu höheren Kosten erzeugen, stiegen einzelne Stundenpreise auf bis zu 149 €/MWh.
Damit blieb die Erzeugung aus erneuerbaren Energien der wichtigste Einflussfaktor auf die Preisentwicklung. Viel Wind- und Solarstrom senkte die Preise regelmäßig, insbesondere an Wochenenden und in den Mittagsstunden. Ging die Windstromerzeugung zurück, wurde mehr konventionelle Erzeugung benötigt. Die höheren Gaspreise verteuerten dann die Stromproduktion und ließen die Spotmarktpreise steigen.
Hitze und niedrige Wasserstände schränkten die Stromerzeugung ein
Wiederkehrende Hitzewellen wirkten sich sowohl auf die Stromnachfrage als auch auf das Stromangebot aus. Während der heißesten Phasen stieg der Stromverbrauch, da mehr Energie für die Kühlung benötigt wurde. Gleichzeitig führten hohe Flusstemperaturen vor allem in Frankreich zu Einschränkungen bei der Stromerzeugung aus Kernkraftwerken.
Dadurch stand weniger Kernenergie zur Verfügung, die normalerweise für eine stabile und vergleichsweise kostengünstige Stromquelle sorgt. Zudem konnte Frankreich weniger Strom exportieren. Das verringerte das Angebot in den Nachbarländern und trieb dort die Strompreise nach oben.
Gegen Ende des Monats führten ähnliche Einschränkungen bei der Kühlwassernutzung auch in Ungarn und Rumänien zu einer geringeren Kernkraftproduktion. Dadurch stieg der Stromimportbedarf in Mittel- und Osteuropa. Gleichzeitig blieb auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft aufgrund der niedrigen Wasserstände begrenzt.
Die niedrigen Wasserstände des Rheins belasteten zudem den Transport von Kohle und anderen Rohstoffen. Da Frachtschiffe weniger Ladung aufnehmen konnten als üblich, stiegen die Transportkosten.
Stromerzeuger konnten ihren Bedarf zunächst weitgehend aus vorhandenen Lagerbeständen decken. Einige Industrieunternehmen reduzierten jedoch ihre Produktion, weil benötigte Rohstoffe nicht in ausreichender Menge transportiert werden konnten.
Terminmarktpreise für Strom sind gestiegen
Auch die Stromterminmarktpreise legten im Juli zu. Der Jahreskontrakt Cal-27 stieg um 8,2 %. Haupttreiber waren die höheren Gaspreise. Zusätzlich sorgten wiederkehrende Hitzewellen, Einschränkungen bei französischen Kernkraftwerken und wasserbedingte Produktions- und Transportprobleme in Europa für weiteren Preisdruck.
Die Strompreise folgten damit der Entwicklung am Gasmarkt. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus, da weiterhin Strom aus Kohle, erneuerbaren Energien und Kernkraft zur Verfügung stand und den Preisanstieg begrenzte.

Geopolitische Spannungen trieben die Gaspreise deutlich nach oben
Die Gaspreise stiegen im Juli deutlich. Der Preis für das Lieferjahr 2027 legte um 20,3 % zu. Der starke Anstieg zeigt, dass der Markt auch mittelfristig mit höheren Versorgungsrisiken rechnete. Bei Kontrakten für weiter entfernte Lieferjahre fiel die Preisbewegung dagegen geringer aus.
Haupttreiber war die erneute Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Mit den zunehmenden Spannungen in der Region wuchs die Sorge, dass LNG-Transporte verzögert oder unterbrochen werden könnten. Größere Lieferausfälle blieben zwar aus, das gestiegene Risiko führte jedoch zu einer höheren Risikoprämie und damit zu steigenden Gaspreisen. Gleichzeitig verteuerten sich Transport und Versicherung, was den Markt zusätzlich belastete.
Gegen Ende Juli sorgten diplomatische Bemühungen für eine leichte Entspannung, sodass sich die Preise etwas stabilisierten. Die geopolitische Lage blieb jedoch angespannt. Entsprechend reagierte der Gasmarkt weiterhin empfindlich auf neue Entwicklungen in der Region.
Europäische Gasspeicher bleiben unter dem üblichen Niveau
Die europäischen Gasspeicher füllten sich im Juli weiter und erreichten zum Monatsende einen Stand von rund 57 %. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Frühsommer verbessert. Im Vergleich zum saisonüblichen Durchschnitt von etwa 70 % besteht jedoch weiterhin ein deutlicher Rückstand.
Bis zum Beginn der Heizperiode müssen daher noch große Mengen Gas eingespeichert werden. Solange die Speicherstände niedrig bleiben, ist der Markt weniger gut gegen Lieferausfälle abgesichert. Verzögern sich LNG-Lieferungen oder fallen andere Gasimporte unerwartet aus, kann sich dies deshalb schneller und stärker auf die Preise auswirken.
Für die weitere Marktentwicklung wird entscheidend sein, wie schnell sich die Speicher in den kommenden Monaten füllen. Gleichzeitig bleiben die Lage im Nahen Osten, die Verfügbarkeit von LNG und mögliche Ausfälle an norwegischen Gasanlagen wichtige Einflussfaktoren für die Gaspreise.

Öl
Der Ölpreis stieg im Vergleich zum Juni um 23,6 %. Auslöser war vor allem die zunehmende geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten. Besonders die Spannungen rund um die Straße von Hormus schürten die Sorge, dass wichtige Öltransporte gestört werden könnten. Dadurch bewertete der Markt das Risiko möglicher Lieferausfälle höher, und die Preise zogen an.
Gegen Ende des Monats sorgten diplomatische Entwicklungen für eine leichte Entspannung. Infolgedessen gab der Ölpreis etwas nach. Er blieb jedoch über dem Niveau von Anfang Juli, da der Markt geopolitische Risiken weiterhin einpreiste.
Insgesamt schwankten die Ölpreise stark. Neue Meldungen zum Konflikt zwischen den USA und dem Iran konnten daher jederzeit deutliche Preisbewegungen auslösen.
Kohle
Die Kohlepreise stiegen im Juli um 12,9 %. Hauptgrund waren die höheren Gaspreise. Dadurch wurde die Stromerzeugung aus Kohle im Vergleich zu Gas günstiger, sodass Kohlekraftwerke häufiger eingesetzt wurden. Die höhere Auslastung ließ wiederum die Nachfrage nach Kohle steigen. Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Markt durch wiederkehrende Hitzewellen und Phasen mit wenig Wind. Weil dadurch zeitweise weniger Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung stand, mussten konventionelle Kraftwerke häufiger einspringen. Der Einfluss der höheren Kohlepreise auf die Strompreise blieb jedoch begrenzt. In den Niederlanden, Belgien und Deutschland spielt Kohle im Strommix nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle.
CO₂-Zertifikate
Die Preise für CO₂-Zertifikate blieben im Juli vergleichsweise stabil und stiegen nur um 1,4 %. Der häufigere Einsatz von Gas- und Kohlekraftwerken erhöhte zwar die Nachfrage nach Emissionszertifikaten und stützte die Preise. Gleichzeitig benötigte die Industrie aufgrund der schwächeren Produktion weniger Zertifikate. Beide Effekte glichen sich weitgehend aus. Deshalb bewegten sich die CO₂-Preise deutlich weniger als die Gas- und Strompreise.
Ausblick
Der Energiemarkt dürfte auch in den kommenden Wochen stark schwanken. Entscheidend bleiben die Lage im Nahen Osten, die Füllstände der europäischen Gasspeicher und das Wetter. Kommt es zu Verzögerungen oder Ausfällen bei LNG-Lieferungen, kann das Gasangebot sinken und die Preise steigen lassen. Auch längere Hitzeperioden oder wenig Wind können die Strompreise erhöhen: Dann steigt der Stromverbrauch, während gleichzeitig weniger erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Dadurch müssen häufiger teurere Gas- und Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Diese Faktoren können die Gas- und Strompreise auch im August deutlich beeinflussen.





