577 Euro pro Megawattstunde – so hoch stieg der Strompreis am 18. Juni 2026 zeitweise auf dem deutschen Day-Ahead-Markt. Gleichzeitig gab es tagsüber Stunden mit sehr niedrigen oder sogar negativen Preisen. Das zeigt: Auch an sonnigen Sommertagen kann der Strommarkt innerhalb weniger Stunden von Niedrigpreisen zu extremen Preisspitzen wechseln. Diese starke Intraday-Volatilität verdeutlicht ein Marktphänomen, das in den Sommermonaten zunehmend an Bedeutung gewinnt: die sogenannte Hitzeflaute.
Was ist eine Hitzeflaute?
Als Hitzeflaute wird eine Wetterlage bezeichnet, bei der hohe Temperaturen auf wenig Wind treffen. Sie ist damit das sommerliche Gegenstück zur bekannten Dunkelflaute: Während bei einer Dunkelflaute Wind- und Solarstrom gleichzeitig knapp sind, sorgt bei einer Hitzeflaute vor allem die Kombination aus hoher Stromnachfrage und geringer Windstromerzeugung für Druck am Markt.
Tagsüber kann eine hohe Solarstromproduktion die Preise oft noch dämpfen. Kritisch wird es jedoch am Abend: Die Sonne geht unter, die Solarproduktion fällt weg und bei gleichzeitig schwachem Wind müssen häufig konventionelle Kraftwerke einspringen. Da Gas- und Kohlekraftwerke häufig höhere Grenzkosten haben und in solchen Stunden preissetzend sind, können die Strompreise innerhalb weniger Stunden deutlich steigen.
Warum steigt die Stromnachfrage bei Hitze?
Anhaltend hohe Temperaturen führen europaweit zu einem steigenden Stromverbrauch. Auch in Deutschland nehmen Hitzetage deutlich zu: Während es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt 4,6 Hitzetage pro Jahr gab, waren es im Zeitraum 1993 bis 2022 bereits 9,8. Diese Entwicklung zeigt, dass längere und intensivere Hitzeperioden zunehmend zur Realität werden.
Wesentliche Treiber der steigenden Stromnachfrage sind:
Insbesondere in Südeuropa erreicht die Stromnachfrage während Hitzeperioden regelmäßig Höchststände. Da die europäischen Strommärkte eng miteinander verbunden sind, wirken sich diese Entwicklungen zunehmend auch auf die Preisbildung in Deutschland aus.
Auch die Stromerzeugung gerät unter Druck
Neben der steigenden Nachfrage können hohe Temperaturen auch die verfügbare Erzeugungskapazität reduzieren. Konventionelle Kraftwerke arbeiten bei extremer Hitze häufig weniger effizient. Gleichzeitig können Kühlwasserrestriktionen oder technische Einschränkungen die verfügbare Leistung begrenzen. Bereits in den vergangenen Jahren mussten beispielsweise französische Kernkraftwerke ihre Erzeugung zeitweise reduzieren, da hohe Flusstemperaturen die Einhaltung von Umweltauflagen erschwerten. Dadurch sinkt die verfügbare Reservekapazität im europäischen Stromsystem zusätzlich.
Warum die Abendstunden besonders kritisch sind
Die aktuelle Preisentwicklung verdeutlicht die strukturelle Herausforderung der Energiewende. Während die Solarstromerzeugung zur Mittagszeit häufig zu sehr niedrigen Preisen führt, entsteht in den Abendstunden ein sogenannter "Solar Cliff". Mit dem Sonnenuntergang fällt ein großer Teil der Erzeugung innerhalb kurzer Zeit weg. Ob die Strompreise anschließend moderat bleiben oder stark ansteigen, hängt maßgeblich von der Windstromerzeugung ab. Fehlt diese, müssen kurzfristig konventionelle Kraftwerke einspringen – häufig zu deutlich höheren Grenzkosten.
Welche Bedeutung hat das für Unternehmen?
Die aktuelle Marktsituation zeigt, wie wichtig eine aktive und flexible Energiebeschaffungsstrategie ist. Unternehmen sollten insbesondere folgende Handlungsfelder prüfen:
Spotmarktchancen nutzen: Unternehmen, die einen Teil ihres Stroms flexibel am Spotmarkt beschaffen, können von niedrigen oder sogar negativen Preisen zur Mittagszeit profitieren, wenn die Solarstromerzeugung besonders hoch ist.