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Marketing23 Juni 20263 min read

Hitzeflauten und ihre Auswirkungen auf den Strompreis

Hitzeflauten und ihre Auswirkungen auf den Strompreis
4:28

577 Euro pro Megawattstunde – so hoch stieg der Strompreis am 18. Juni 2026 zeitweise auf dem deutschen Day-Ahead-Markt. Gleichzeitig gab es tagsüber Stunden mit sehr niedrigen oder sogar negativen Preisen. Das zeigt: Auch an sonnigen Sommertagen kann der Strommarkt innerhalb weniger Stunden von Niedrigpreisen zu extremen Preisspitzen wechseln. Diese starke Intraday-Volatilität verdeutlicht ein Marktphänomen, das in den Sommermonaten zunehmend an Bedeutung gewinnt: die sogenannte Hitzeflaute. 

Was ist eine Hitzeflaute?

Als Hitzeflaute wird eine Wetterlage bezeichnet, bei der hohe Temperaturen auf wenig Wind treffen. Sie ist damit das sommerliche Gegenstück zur bekannten Dunkelflaute: Während bei einer Dunkelflaute Wind- und Solarstrom gleichzeitig knapp sind, sorgt bei einer Hitzeflaute vor allem die Kombination aus hoher Stromnachfrage und geringer Windstromerzeugung für Druck am Markt. 

Tagsüber kann eine hohe Solarstromproduktion die Preise oft noch dämpfen. Kritisch wird es jedoch am Abend: Die Sonne geht unter, die Solarproduktion fällt weg und bei gleichzeitig schwachem Wind müssen häufig konventionelle Kraftwerke einspringen. Da Gas- und Kohlekraftwerke häufig höhere Grenzkosten haben und in solchen Stunden preissetzend sind, können die Strompreise innerhalb weniger Stunden deutlich steigen. 

Warum steigt die Stromnachfrage bei Hitze?

Anhaltend hohe Temperaturen führen europaweit zu einem steigenden Stromverbrauch. Auch in Deutschland nehmen Hitzetage deutlich zu: Während es zwischen 1961 und 1990 im Schnitt 4,6 Hitzetage pro Jahr gab, waren es im Zeitraum 1993 bis 2022 bereits 9,8. Diese Entwicklung zeigt, dass längere und intensivere Hitzeperioden zunehmend zur Realität werden.

Wesentliche Treiber der steigenden Stromnachfrage sind:

  • der verstärkte Einsatz von Klimaanlagen in Gewerbe, Industrie und Privathaushalten
  • der zunehmende Kühlbedarf in Produktions- und Logistikprozessen
  • der wachsende Stromverbrauch von Wärmepumpensystemen im Kühlbetrieb
  • eine insgesamt höhere Belastung elektrischer Infrastrukturen

Insbesondere in Südeuropa erreicht die Stromnachfrage während Hitzeperioden regelmäßig Höchststände. Da die europäischen Strommärkte eng miteinander verbunden sind, wirken sich diese Entwicklungen zunehmend auch auf die Preisbildung in Deutschland aus.

So habe sich die Hitzetage in Deutschland verändert (1)

Auch die Stromerzeugung gerät unter Druck

Neben der steigenden Nachfrage können hohe Temperaturen auch die verfügbare Erzeugungskapazität reduzieren. Konventionelle Kraftwerke arbeiten bei extremer Hitze häufig weniger effizient. Gleichzeitig können Kühlwasserrestriktionen oder technische Einschränkungen die verfügbare Leistung begrenzen. Bereits in den vergangenen Jahren mussten beispielsweise französische Kernkraftwerke ihre Erzeugung zeitweise reduzieren, da hohe Flusstemperaturen die Einhaltung von Umweltauflagen erschwerten. Dadurch sinkt die verfügbare Reservekapazität im europäischen Stromsystem zusätzlich.

Warum die Abendstunden besonders kritisch sind

Die aktuelle Preisentwicklung verdeutlicht die strukturelle Herausforderung der Energiewende. Während die Solarstromerzeugung zur Mittagszeit häufig zu sehr niedrigen Preisen führt, entsteht in den Abendstunden ein sogenannter "Solar Cliff". Mit dem Sonnenuntergang fällt ein großer Teil der Erzeugung innerhalb kurzer Zeit weg. Ob die Strompreise anschließend moderat bleiben oder stark ansteigen, hängt maßgeblich von der Windstromerzeugung ab. Fehlt diese, müssen kurzfristig konventionelle Kraftwerke einspringen – häufig zu deutlich höheren Grenzkosten.

Welche Bedeutung hat das für Unternehmen?

Die aktuelle Marktsituation zeigt, wie wichtig eine aktive und flexible Energiebeschaffungsstrategie ist. Unternehmen sollten insbesondere folgende Handlungsfelder prüfen:

  1. Spotmarktchancen nutzen: Unternehmen, die einen Teil ihres Stroms flexibel am Spotmarkt beschaffen,  können von niedrigen oder sogar negativen Preisen zur Mittagszeit profitieren, wenn die Solarstromerzeugung besonders hoch ist.  

  2. Preisrisiken durch Terminmarktabsicherung reduzieren: Die Kombination aus Spotmarkt- und Terminmarkt kann helfen,  Chancen und Sicherheit besser auszubalancieren. Der Spotmarkt bietet die Möglichkeit, günstige Preisphasen zu nutzen. Terminmarktprodukte schaffen dagegen mehr Planbarkeit und schützen vor starken Preisschwankungen. 
  3. Lasten gezielt verschieben: Energieintensive Prozesse sollten – soweit technisch möglich – in Zeiten mit hoher erneuerbarer Stromerzeugung verlagert werden. Insbesondere die Abendstunden zwischen 19:00 und 22:00 Uhr können bei Hitzeflauten zu den teuersten Stunden des Tages gehören.
  4. Kälte und Wärme als Speicher nutzen: Kühlhäuser, Produktionsanlagen oder Gebäude können oft dann vorgekühlt werden, wenn Strom günstig verfügbar ist – zum Beispiel während der Mittagsstunden mit hoher Solarstromerzeugung. So lässt sich der Stromverbrauch in teuren Abendstunden reduzieren, ohne den Betrieb einzuschränken. 
  5. Batteriespeicher einsetzen: Batteriespeicher können günstigen Strom aus den Mittagsstunden speichern und später in teuren Hochpreisphasen nutzbar machen. So lassen sich Lastspitzen reduzieren, Stromkosten besser steuern und die Abhängigkeit von kurzfristigen Preisschwankungen am Markt verringern. 
  6. Flexibilitäten vermarkten: Unternehmen mit steuerbaren Stromverbräuchen können ihre Flexibilität wirtschaftlich nutzen. Wenn Lasten kurzfristig erhöht, reduziert oder verschoben werden können, entstehen zusätzliche Chancen am Intraday-, Regelenergie- oder Flexibilitätsmarkt. So wird Flexibilität nicht nur zum Instrument zur Kostensenkung, sondern kann auch zusätzliche Erlöse ermöglichen.
  7. Eigenversorgung ausbauen: Photovoltaik, Batteriespeicher und intelligentes Lastmanagement werden für Unternehmen immer wichtiger. Wer mehr Strom selbst erzeugt, speichert und gezielt verbraucht, kann die Abhängigkeit von schwankenden Börsenpreisen reduzieren. Gleichzeitig lassen sich Energiekosten langfristig besser planen und stabilisieren.
  8. Wetter- und Marktprognosen stärker berücksichtigen: Hitzeflauten lassen sich häufig mehrere Tage im Voraus erkennen. Deshalb werden aktuelle Wetterdaten und kurzfristige Marktanalysen für die Energiebeschaffung immer wichtiger. Wer erwartete Hochpreisphasen frühzeitig erkennt, kann Beschaffungsentscheidungen besser planen, Lasten gezielt steuern und mögliche Kostenvorteile nutzen.

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