Zusammenfassung
Der Energiemarkt blieb auch im Juli volatil. Während die durchschnittlichen Strompreise am Spotmarkt im Vergleich zum Vormonat gestiegen sind, zogen auch die Terminmarktpreise für Strom und Gas deutlich an.
Am Gasmarkt sorgten vor allem die erneuten Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine begrenzte LNG-Verfügbarkeit und niedrige europäische Speicherstände für steigende Preise. Gleichzeitig belasteten wiederkehrende Hitzewellen den Strommarkt: Der Kühlbedarf stieg, während warmes Flusswasser die Kernkraftproduktion einschränkte. Niedrige Pegel an Rhein und Donau erschwerten zusätzlich den Transport von Energieträgern und reduzierten die Verfügbarkeit von Wasser- und Wärmekraftwerken. Dadurch reagierte der Markt besonders empfindlich auf Phasen mit wenig Wind- und Solarstrom.
Spotmarktpreise steigen bei zunehmender Volatilität
Die durchschnittlichen Strompreise am österreichischen Spotmarkt sind im Juli gestiegen. Der Monatsdurchschnitt lag bei 117,22 €/MWh und damit rund 10 % über dem Niveau des Vormonats. Gleichzeitig schwankten die Preise stark. Zu Monatsbeginn lagen sie noch bei rund 66 €/MWh, zogen im weiteren Monatsverlauf jedoch deutlich an. In einzelnen Stunden erreichten sie Spitzenwerte von bis zu 233 €/MWh.
Ausschlaggebend für die Preisanstiege waren vor allem die angespannte Versorgungslage in der Region, Einschränkungen bei der Kern- und Wasserkraftproduktion sowie die zeitweise hohe Stromnachfrage. Dadurch mussten häufiger konventionelle Kraftwerke eingesetzt und zusätzliche Strommengen importiert werden. Die höheren Erzeugungskosten, insbesondere bei Gaskraftwerken, verstärkten den Preisdruck.
Die Einspeisung aus erneuerbaren Energien blieb dennoch ein wichtiger Einflussfaktor auf die kurzfristige Preisentwicklung. Eine hohe Erzeugung aus Wind-, Solar- und Wasserkraft dämpfte die Preise insbesondere an Wochenenden und in den Mittagsstunden. War weniger günstige Erzeugungsleistung verfügbar, stieg der Bedarf an konventioneller Stromproduktion und Importen, wodurch die Spotmarktpreise anzogen.
Hitze und niedrige Wasserstände schränkten die Stromerzeugung ein
Wiederkehrende Hitzewellen wirkten sich sowohl auf die Stromnachfrage als auch auf das Stromangebot in Österreich aus. Während besonders heißer Phasen stieg der Stromverbrauch durch den verstärkten Einsatz von Kühl- und Klimaanlagen.
Gleichzeitig verknappte sich das Stromangebot in der Region. Niedrige Wasserstände der Donau sowie Einschränkungen am ungarischen Kernkraftwerk Paks reduzierten die verfügbare Erzeugungsleistung östlich von Österreich. Hinzu kam eine schwache Stromproduktion aus alpiner Wasserkraft. Dadurch stand gerade in Zeiten hoher Nachfrage weniger flexibel einsetzbare Erzeugungskapazität zur Verfügung. Diese regionale Angebotsknappheit trug dazu bei, dass die österreichischen Spotmarktpreise im Monatsvergleich um rund 10 % stiegen. In der zweiten Julihälfte lagen sie zudem durchgehend über dem Preisniveau in Deutschland, den Niederlanden und Belgien.
Auch hohe Flusstemperaturen und Einschränkungen bei der Kühlwassernutzung belasteten den europäischen Strommarkt. Vor allem in Frankreich sowie gegen Monatsende auch in Ungarn und Rumänien musste die Kernkraftproduktion zeitweise reduziert werden. Dadurch sank das verfügbare Stromangebot, während der Importbedarf in Mittel- und Osteuropa zunahm. Aufgrund der engen Verflechtung der europäischen Strommärkte erhöhte dies auch den Preisdruck in Österreich.
Die niedrigen Wasserstände betrafen außerdem den Rhein. Mehrere Hitzewellen und geringe Niederschläge reduzierten die Beladungskapazität der Frachtschiffe und verteuerten den Transport von Kohle, Brennstoffen und industriellen Rohstoffen. Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Stromerzeugung blieben jedoch begrenzt, da Energieversorger zunächst auf Lagerbestände, Bahntransporte und rheinunabhängige Braunkohlekraftwerke zurückgreifen konnten.
Stärker betroffen waren Industrieunternehmen, die über geringere Rohstoffreserven und weniger Transportalternativen verfügten. Produktionskürzungen in der Stahl- und Chemieindustrie dämpften teilweise die Stromnachfrage, noch bevor es bei Kraftwerken zu flächendeckenden Brennstoffengpässen kam.
Terminmarktpreise für Strom sind gestiegen
Auch die österreichischen Stromterminmarktpreise legten im Juli zu. Haupttreiber waren die höheren Gaspreise, die über die Erzeugungskosten von Gaskraftwerken die Strompreise im europäischen Markt beeinflussten. Zusätzlichen Preisdruck verursachten wiederkehrende Hitzewellen, Einschränkungen bei französischen Kernkraftwerken sowie wasserbedingte Produktions- und Transportprobleme in Europa.
Die österreichischen Terminmarktpreise folgten damit grundsätzlich der Entwicklung des Gasmarktes. Der Anstieg fiel jedoch moderater aus, da im europäischen Verbundmarkt weiterhin Erzeugungskapazitäten aus Kohle, erneuerbaren Energien und Kernkraft verfügbar waren. Diese begrenzten den Einsatz teurer Gaskraftwerke und dämpften damit auch den Preisanstieg in Österreich.
Geopolitische Spannungen trieben die Gaspreise deutlich nach oben
Die Gaspreise stiegen im Juli deutlich. Der Preis für das Lieferjahr 2027 legte um 20,3 % zu. Der starke Anstieg zeigt, dass der Markt auch mittelfristig mit höheren Versorgungsrisiken rechnete. Bei Kontrakten für weiter entfernte Lieferjahre fiel die Preisbewegung dagegen geringer aus.
Haupttreiber war die erneute Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Mit den zunehmenden Spannungen in der Region wuchs die Sorge, dass LNG-Transporte verzögert oder unterbrochen werden könnten. Größere Lieferausfälle blieben zwar aus, das gestiegene Risiko führte jedoch zu einer höheren Risikoprämie und damit zu steigenden Gaspreisen. Gleichzeitig verteuerten sich Transport und Versicherung, was den Markt zusätzlich belastete.
Gegen Ende Juli sorgten diplomatische Bemühungen für eine leichte Entspannung, sodass sich die Preise etwas stabilisierten. Die geopolitische Lage blieb jedoch angespannt. Entsprechend reagierte der Gasmarkt weiterhin empfindlich auf neue Entwicklungen in der Region.
Europäische Gasspeicher bleiben unter dem üblichen Niveau
Die europäischen Gasspeicher füllten sich im Juli weiter und erreichten zum Monatsende einen Stand von rund 57 %. Damit hat sich die Lage gegenüber dem Frühsommer verbessert. Im Vergleich zum saisonüblichen Durchschnitt von etwa 70 % besteht jedoch weiterhin ein deutlicher Rückstand. Bis zum Beginn der Heizperiode müssen daher noch große Mengen Gas eingespeichert werden. Solange die Speicherstände niedrig bleiben, ist der Markt weniger gut gegen Lieferausfälle abgesichert. Verzögern sich LNG-Lieferungen oder fallen andere Gasimporte unerwartet aus, kann sich dies deshalb schneller und stärker auf die Preise auswirken. Für die weitere Marktentwicklung wird entscheidend sein, wie schnell sich die Speicher in den kommenden Monaten füllen. Gleichzeitig bleiben die Lage im Nahen Osten, die Verfügbarkeit von LNG und mögliche Ausfälle an norwegischen Gasanlagen wichtige Einflussfaktoren für die Gaspreise.
Öl
Der Ölpreis stieg im Vergleich zum Juni um 23,6 %. Auslöser war vor allem die zunehmende geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten. Besonders die Spannungen rund um die Straße von Hormus schürten die Sorge, dass wichtige Öltransporte gestört werden könnten. Dadurch bewertete der Markt das Risiko möglicher Lieferausfälle höher, und die Preise zogen an.
Gegen Ende des Monats sorgten diplomatische Entwicklungen für eine leichte Entspannung. Infolgedessen gab der Ölpreis etwas nach. Er blieb jedoch über dem Niveau von Anfang Juli, da der Markt geopolitische Risiken weiterhin einpreiste.
Insgesamt schwankten die Ölpreise stark. Neue Meldungen zum Konflikt zwischen den USA und dem Iran konnten daher jederzeit deutliche Preisbewegungen auslösen.
Kohle
Die Kohlepreise stiegen im Juli um 12,9 %. Hauptgrund waren die höheren Gaspreise. Dadurch wurde die Stromerzeugung aus Kohle im Vergleich zu Gas günstiger, sodass Kohlekraftwerke häufiger eingesetzt wurden. Die höhere Auslastung ließ wiederum die Nachfrage nach Kohle steigen. Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Markt durch wiederkehrende Hitzewellen und Phasen mit wenig Wind. Weil dadurch zeitweise weniger Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung stand, mussten konventionelle Kraftwerke häufiger einspringen. Der Einfluss der höheren Kohlepreise auf die Strompreise blieb jedoch begrenzt. In den Niederlanden, Belgien und Deutschland spielt Kohle im Strommix nur noch eine vergleichsweise kleine Rolle.
CO₂-Zertifikate
Die Preise für CO₂-Zertifikate blieben im Juli vergleichsweise stabil und stiegen nur um 1,4 %. Der häufigere Einsatz von Gas- und Kohlekraftwerken erhöhte zwar die Nachfrage nach Emissionszertifikaten und stützte die Preise. Gleichzeitig benötigte die Industrie aufgrund der schwächeren Produktion weniger Zertifikate. Beide Effekte glichen sich weitgehend aus. Deshalb bewegten sich die CO₂-Preise deutlich weniger als die Gas- und Strompreise.
Ausblick
Der Energiemarkt dürfte auch in den kommenden Wochen stark schwanken. Entscheidend bleiben die Lage im Nahen Osten, die Füllstände der europäischen Gasspeicher und das Wetter. Kommt es zu Verzögerungen oder Ausfällen bei LNG-Lieferungen, kann das Gasangebot sinken und die Preise steigen lassen. Auch längere Hitzeperioden oder wenig Wind können die Strompreise erhöhen: Dann steigt der Stromverbrauch, während gleichzeitig weniger erneuerbare Energie zur Verfügung steht. Dadurch müssen häufiger teurere Gas- und Kohlekraftwerke eingesetzt werden. Diese Faktoren können die Gas- und Strompreise auch im August deutlich beeinflussen.