Marktupdates

Entwicklungen an den Energiemärkten im Oktober

Geschrieben von Market Analysis | 04.11.2026, 10:24:41

Energiepreise steigen im Oktober deutlich, Sorgen um die Gasversorgung nehmen zu

Zusammenfassung

Die Energiepreise sind im Oktober weiter deutlich gestiegen. In Deutschland lagen die durchschnittlichen Strompreise am Spotmarkt 17 % über dem Niveau von September. Auch am Terminmarkt wurde Strom deutlich teurer. Noch stärker stiegen die Gaspreise: Der TTF-Front-Month-Kontrakt legte um 43 % zu.

Hauptgrund waren die Sorgen um die Gasversorgung vor Beginn des Winters. Eingeschränkte LNG-Lieferungen aus der Golfregion und vergleichsweise niedrige europäische Gasspeicherstände sorgten für zusätzlichen Preisdruck. Gleichzeitig wurde weniger Wind- und Solarstrom erzeugt, sodass häufiger teurere Gas- und Kohlekraftwerke benötigt wurden, um den Strombedarf zu decken. Das ließ auch die Strompreise steigen.

Weniger Windstrom und hohe Gaspreise treiben Strompreise am Spotmarkt nach oben

Die durchschnittlichen Strompreise am deutschen Spotmarkt stiegen im Oktober um 17 % auf 169,27 €/MWh. Im Monatsverlauf schwankten die Preise jedoch stark. Entscheidend war vor allem, wie viel Wind- und Solarstrom zur Verfügung stand und wie häufig teurere Gas- und Kohlekraftwerke einspringen mussten.

Besonders deutlich zeigte sich das am 25. Oktober. An diesem Tag lag der durchschnittliche Strompreis bei nur 13,12 €/MWh. Zwei Stürme sorgten in Nordwesteuropa für eine hohe Windstromerzeugung. Da am Wochenende gleichzeitig weniger Strom benötigt wurde, lagen die Preise über weite Teile des Tages nahe null und fielen zeitweise sogar leicht in den negativen Bereich.

Zum Monatsende änderte sich die Situation deutlich. Der Wind ließ nach, sodass häufiger Gaskraftwerke benötigt wurden, um den Strombedarf zu decken. Da die Gaspreise gleichzeitig sehr hoch waren, stiegen auch die Strompreise kräftig an. Am 29. Oktober erreichte der durchschnittliche Tagespreis in Deutschland 314,85 €/MWh. In den Abendstunden kam es sogar zu einer Preisspitze von rund 574,28 €/MWh. Hinzu kam die nachlassende Solarstromerzeugung: Durch die kürzeren Tage steht besonders morgens und abends weniger Solarstrom zur Verfügung. Zusammen mit der geringen Windstromerzeugung verstärkte dies den Preisanstieg.

Auch die Entwicklungen in den Nachbarländern beeinflussen die deutschen Strompreise, da die europäischen Strommärkte eng miteinander verbunden sind. Für die kommenden Wochen bleibt daher vor allem entscheidend, wie viel Windstrom erzeugt wird. Wenig Wind könnte die Preise weiter steigen lassen, während mehr Strom aus erneuerbaren Energien und eine bessere Verfügbarkeit von Kernkraftwerken für Entlastung sorgen könnten.

Höhere Gaspreise treiben Stromterminmarktpreise deutlich nach oben

Auch am deutschen Terminmarkt sind die Strompreise im Oktober deutlich gestiegen. Der Cal-27-Kontrakt legte um 28,3 % zu. Hauptgrund waren die stark gestiegenen Gaspreise, die auch Strom aus Gaskraftwerken teurer machten. Sorgen über die LNG-Versorgung und die vergleichsweise niedrigen europäischen Gasspeicherstände verstärkten den Preisdruck vor Beginn des Winters.

Die Stromterminmarktpreise stiegen jedoch weniger stark als die Gaspreise. Der Grund: Gaskraftwerke bestimmen nicht immer den Strompreis. Wenn ausreichend Wind- und Solarstrom, Kernenergie oder Stromimporte zur Verfügung stehen, werden weniger Gaskraftwerke benötigt. Dadurch wirken sich die hohen Gaspreise weniger stark auf den Strompreis aus. Wie sich die Stromterminmarktpreise in den kommenden Monaten entwickeln, hängt daher vor allem von den Gaspreisen, der Wind- und Solarstromerzeugung sowie der Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke ab.

Sorgen um die Gasversorgung treiben Spotmarktpreise deutlich nach oben

Die europäischen Gaspreise sind im Oktober stark gestiegen. Der TTF-Front-Month-Kontrakt verteuerte sich gegenüber September um 43,0 % auf 103,73 €/MWh zum Monatsende. Damit überschritt der Preis erstmals seit Dezember 2022 wieder die Marke von 100 €/MWh. Hauptgrund waren die Sorgen um die Gasversorgung vor Beginn des Winters.

Besonders die eingeschränkten LNG-Lieferungen aus der Golfregion trieben die Preise nach oben. Die angespannte Lage rund um die Straße von Hormus erschwerte den Transport von Flüssiggas (LNG). Hinzu kamen Schäden an wichtigen LNG-Anlagen in Katar sowie Berichte über Angriffe auf Schiffe in der Region. Dadurch stand weniger LNG zur Verfügung, während Europa und Asien weiterhin um die verfügbaren Lieferungen konkurrierten. Das verstärkte den Preisdruck und machte die europäischen Gaspreise besonders empfindlich gegenüber neuen Entwicklungen im Nahen Osten.

Niedrige Gasspeicherstände erhöhen den Preisdruck am Terminmarkt 

Auch am Gas-Terminmarkt sind die Preise im Oktober deutlich gestiegen. Der TTF-Cal-27-Kontrakt verteuerte sich gegenüber September um 42,2 % auf 82,97 €/MWh. Besonders stark fiel der Anstieg in der zweiten Monatshälfte aus. Grund dafür waren zunehmende Sorgen, ob in den kommenden Monaten ausreichend Gas zur Verfügung stehen wird.

Ein wichtiger Grund waren die vergleichsweise niedrigen europäischen Gasspeicherstände. Ende Oktober waren die Speicher nur zu rund 75 % gefüllt und lagen damit deutlich unter dem üblichen Niveau für diese Jahreszeit. Damit stehen für den Winter weniger Reserven zur Verfügung. Bei längeren Kälteperioden oder weiteren Lieferausfällen könnte dies die Gaspreise zusätzlich steigen lassen.

Entscheidend wird daher auch das Wetter sein: Ein milder Winter würde den Verbrauch begrenzen und die Speicher schonen. Bei längeren Kälteperioden steigt dagegen der Gasbedarf. Wird gleichzeitig wenig Windstrom erzeugt, müssen häufiger Gaskraftwerke einspringen, was die Gasnachfrage zusätzlich erhöht. Für Entspannung könnten die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran sorgen. Wenn dadurch wieder mehr LNG nach Europa gelangt, könnte der Preisdruck nachlassen. Solange die Versorgung jedoch eingeschränkt bleibt, ist weiterhin mit deutlichen Preisschwankungen zu rechnen.

Öl

Die Ölpreise stiegen im Oktober um 13,6 % auf 117,64 US-Dollar pro Barrel. Hauptgründe waren die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und Sorgen um die Ölversorgung aus der Golfregion. Besonders die Einschränkungen beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus und Berichte über Angriffe auf Schiffe erhöhten die Unsicherheit und trieben die Preise nach oben. Diplomatische Signale weckten zwar Hoffnung auf eine Entspannung, die Lage blieb jedoch unsicher. Auch in den kommenden Wochen dürften die Entwicklungen im Nahen Osten entscheidend sein. Weitere Lieferunterbrechungen könnten die Preise erhöhen, während eine Verbesserung der Transportbedingungen für Entlastung sorgen könnte.

Kohle

Die Kohlepreise stiegen im Oktober um 6,9 % auf 145,46 US-Dollar pro Tonne. Damit fiel der Anstieg geringer aus als an den Strom- und Gasmärkten. Da die Stromerzeugung aus Gas deutlich teurer wurde, gewann Kohle als Alternative an Bedeutung, besonders bei geringer Wind- und Solarstromerzeugung. Wie stark Kohlekraftwerke Gas ersetzen können, hängt jedoch von den verfügbaren Kraftwerkskapazitäten und den zusätzlichen CO₂-Kosten ab.

CO₂

Die CO₂-Preise stiegen im Oktober um 4,8 %. Der europäische Emissionszertifikate-Kontrakt für Dezember 2026 erreichte 89,19 € pro Tonne CO₂. Hauptgrund war der verstärkte Einsatz von Gas- und Kohlekraftwerken. Da diese bei der Stromerzeugung CO₂ ausstoßen, benötigen sie Emissionszertifikate. Die dadurch gestiegene Nachfrage stützte die CO₂-Preise. Im Vergleich zu den Gas- und Stromterminmarktpreisen fiel der Anstieg jedoch geringer aus. Die höheren CO₂-Preise verteuerten die Stromerzeugung aus Gas und Kohle zusätzlich. Der wichtigste Grund für die steigenden Energiepreise im Oktober blieb allerdings die angespannte Gasversorgung.

 

Ausblick

Mit Blick auf den Winter bleiben die europäischen Energiemärkte stark von der Gasversorgung und dem Wetter abhängig. Die vergleichsweise niedrigen Gasspeicherstände und die weiterhin eingeschränkten LNG-Lieferungen aus der Golfregion verringern den Spielraum, um einen höheren Gasbedarf oder Lieferausfälle auszugleichen. Auch die US-Zwischenwahlen am 3. November könnten unabhängig von ihrem Ausgang für zusätzliche Preisbewegungen sorgen.

Ein milder Winter, mehr verfügbare LNG-Lieferungen und diplomatische Fortschritte im Nahen Osten könnten den Preisdruck verringern. Längere Kälteperioden oder weitere Lieferunterbrechungen könnten die Preise dagegen erneut steigen lassen. Am Strommarkt bleibt zudem entscheidend, wie viel Wind-, Solar- und Kernenergie zur Verfügung steht. Bei geringer Erzeugung müssen häufiger teurere Gaskraftwerke einspringen, was die Strompreise zusätzlich erhöhen kann.