Zusammenfassung
Der Energiemarkt wurde im Juni maßgeblich von zwei Faktoren beeinflusst: den geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten und einer außergewöhnlichen Hitzewelle in Europa.
Zu Monatsbeginn sorgte die angekündigte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran für eine Entspannung an den Energiemärkten. Mit dem Rückgang der geopolitischen Unsicherheit verringerte sich auch die Risikoprämie, was zu sinkenden Energiepreisen führte. Gegen Ende des Monats nahmen die Spannungen jedoch wieder zu, sodass die Märkte einen Teil dieser Preisrückgänge korrigierten.
Parallel dazu stellte die Hitzewelle die europäischen Energiemärkte vor zusätzliche Herausforderungen. Anhaltend hohe Temperaturen, eine deutlich geringere Windstromerzeugung und der steigende Strombedarf für Kühlung führten zu einer erhöhten Volatilität am Spotmarkt. Insbesondere in den Abendstunden erreichten die Strompreise zeitweise Rekordwerte, da eine hohe Nachfrage auf ein begrenztes Angebot erneuerbarer Erzeugung traf.
Die Terminmarktpreise für Strom gaben im Juni leicht um 0,9 % nach. Hauptursächlich hierfür waren die rückläufigen Preise für Erdgas, Kohle und CO₂-Emissionszertifikate. Zur Monatsmitte verlor dieser Abwärtstrend jedoch an Dynamik. Anhaltend hohe Temperaturen ließen die Stromnachfrage in weiten Teilen Europas deutlich steigen, während die Windstromerzeugung gleichzeitig stark zurückging. Um den höheren Bedarf zu decken, mussten Gas- und Kohlekraftwerke verstärkt eingesetzt werden. Da deren Erzeugungskosten über denen erneuerbarer Energien liegen, stiegen auch die Grenzkosten der Stromproduktion. Zusätzlichen Aufwärtsdruck erzeugten Einschränkungen bei französischen Kernkraftwerken, deren Leistung aufgrund hoher Kühlwassertemperaturen zeitweise reduziert werden musste. Dadurch fiel der Preisrückgang am Terminmarkt letztlich nur moderat aus.
Die Entwicklung verdeutlicht, dass der Strommarkt derzeit nicht allein von der Gaspreisentwicklung bestimmt wird. Ebenso entscheidend sind Faktoren wie die CO₂-Preise, die Verfügbarkeit konventioneller Erzeugungskapazitäten sowie die eingeschränkte Verfügbarkeit der französischen Kernenergie während Hitzeperioden.
Hitzeflaute sorgt für starke Preisschwankungen am Spotmarkt
Während die Terminmärkte im Juni leicht nachgaben, entwickelte sich der Spotmarkt in die entgegengesetzte Richtung: Die Strompreise zogen deutlich an. Zwar stieg die Solarstromerzeugung um rund 8 %, und auch die Windstromproduktion lag insgesamt etwa 13 % über dem Niveau des Vormonats. Im Monatsverlauf zeigte sich jedoch ein deutlicher Wandel. Besonders in der zweiten Junihälfte ließen die Windverhältnisse spürbar nach. Die sinkende Windstromeinspeisung traf zeitgleich auf eine deutlich höhere Stromnachfrage infolge der Hitzewelle und sorgte für spürbaren Aufwärtsdruck auf die Spotmarktpreise.
In Kombination mit der schwachen Windstromerzeugung entstand eine sogenannte Hitzeflaute. Besonders in den Abendstunden, wenn die Solarstromerzeugung zurückgeht und gleichzeitig nur wenig Windstrom zur Verfügung steht, muss der zusätzliche Strombedarf durch konventionelle Kraftwerke gedeckt werden. Deren höhere Erzeugungskosten schlagen sich unmittelbar in den Spotmarktpreisen nieder, sodass die Strompreise innerhalb kurzer Zeit deutlich ansteigen können.
Die Auswirkungen dieser Marktsituation wurden am 24. Juni besonders deutlich: Um 20:45 Uhr erreichte der deutsche Viertelstundenpreis am Spotmarkt 747,10 € pro MWh.
Die Gaspreise am Terminmarkt gaben im Juni nach. Maßgeblich beeinflusst wurde die Preisentwicklung durch die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormus. Die angekündigte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sorgte zunächst für Entspannung und ließ die Gaspreise sinken, da das Risiko von Versorgungsunterbrechungen über die Straße von Hormus geringer eingeschätzt wurde. Gegen Ende des Monats verschärfte sich die Lage jedoch erneut, wodurch ein Teil der geopolitischen Risikoprämie in die Preise zurückkehrte.
Gleichzeitig rückte die Versorgungslage in Europa verstärkt in den Fokus. Trotz eines Anstiegs gegenüber dem Vormonat waren die europäischen Gasspeicher Ende Juni mit rund 49 % weiterhin deutlich geringer gefüllt als im Fünfjahresdurchschnitt. Damit blieb der Markt anfällig für mögliche Störungen der Gasversorgung und weitere Preisschwankungen.
Neben den geopolitischen Risiken beobachteten Marktteilnehmer insbesondere die Verfügbarkeit von LNG, die norwegischen Gasexporte sowie den Fortschritt bei der Befüllung der europäischen Gasspeicher. Diese Faktoren werden mit Blick auf die Vorbereitung der kommenden Wintersaison weiterhin entscheidend für die Preisentwicklung sein.
Trotz rückläufiger LNG-Importe gaben die Gaspreise am Spotmarkt im Juni leicht nach
Zu Monatsbeginn führten planmäßige Wartungsarbeiten an mehreren norwegischen Förderanlagen zunächst zu einer geringeren Exportkapazität. Mit Abschluss der Arbeiten normalisierten sich die Gaslieferungen jedoch schrittweise, sodass Norwegen zum Monatsende wieder rund 93 % seiner Exportkapazität erreichte und zusätzliche Gasmengen auf den europäischen Markt gelangten.
Demgegenüber gingen die LNG-Importe nach Europa auf den niedrigsten Stand seit mehr als 21 Monaten zurück. Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren: Die geopolitischen Spannungen rund um die Straße von Hormus erschwerten zeitweise den LNG-Transport, während Wartungsarbeiten an US-amerikanischen LNG-Exportterminals das globale Angebot zusätzlich begrenzten.
Parallel dazu ließ die Hitzewelle in Asien die Nachfrage nach LNG zur Stromerzeugung deutlich steigen. Da asiatische Abnehmer höhere Preise zahlten, wurden vermehrt LNG-Lieferungen nach Asien umgeleitet. Dadurch blieb das Angebot an Flüssigerdgas auf dem europäischen Markt begrenzt.
Öl
Der Ölmarkt verzeichnete im Juni eine deutliche Korrektur. Gegenüber Ende Mai sank der Ölpreis um 20,8 %, da sich die geopolitische Risikoprämie deutlich verringerte. Fortschritte in den diplomatischen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran sowie die schrittweise Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus stärkten das Vertrauen der Marktteilnehmer in eine stabile globale Ölversorgung.
Kohle
Auch am Kohlemarkt setzte sich der Abwärtstrend fort. Der Kohlepreis gab im Juni um 10 % nach, begünstigt durch niedrigere Erdgaspreise und eine insgesamt entspanntere Marktstimmung. Erst die Hitzewelle zum Monatsende sorgte für eine Trendwende: Der höhere Einsatz konventioneller Kraftwerke ließ die Nachfrage nach Kohle vorübergehend steigen und bremste den Preisrückgang.
CO2
Die Preise für CO₂-Emissionszertifikate blieben im Juni weitgehend stabil und schlossen den Monat mit einem leichten Minus von 0,6 % ab. Zwar führte die Hitzewelle durch den verstärkten Einsatz von Gas- und Kohlekraftwerken zeitweise zu einer höheren Nachfrage nach Zertifikaten. Gleichzeitig hielten sich die Marktteilnehmer jedoch mit Blick auf die angekündigte Reform des europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) zurück. Diese abwartende Haltung verhinderte größere Preisbewegungen.
Ausblick
Obwohl sich die geopolitischen Spannungen in den vergangenen Wochen etwas entspannt haben, bleibt der Energiemarkt anfällig für neue Entwicklungen im Nahen Osten. Gleichzeitig werden die Märkte weiterhin von wetterbedingten Faktoren, der Verfügbarkeit von LNG, der Einsatzfähigkeit französischer Kernkraftwerke sowie dem Tempo der Befüllung der europäischen Gasspeicher mit Blick auf die kommende Wintersaison beeinflusst. Vor diesem Hintergrund ist sowohl am Terminmarkt als auch am Spotmarkt auch in den kommenden Wochen mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen.