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Warum die Strompreise morgens und abends stark steigen können

Geschrieben von Marketing | 22 Oktober 2026

Innerhalb weniger Stunden können sich die Strompreise deutlich verändern. Besonders im Herbst und Winter kommt es morgens und abends immer häufiger zu starken Preisspitzen. Was verursacht diese Schwankungen und was bedeuten sie für die Stromkosten von Unternehmen?

Wie sich die Strompreise entwickeln, hängt nicht nur von der Nachfrage ab. Entscheidend ist auch, wie viel Strom aus erneuerbaren Energien gerade zur Verfügung steht. Besonders im Herbst und Winter werden diese Unterschiede deutlich. Die Tage werden kürzer, Solaranlagen produzieren weniger Strom und die Windstromerzeugung gewinnt an Bedeutung.

Das kann zu großen Preisunterschieden innerhalb eines Tages führen, wie sich im Oktober auch an den europäischen Strommärkten zeigte.

 

Kürzere Tage und weniger Sonnenstunden beeinflussen den täglichen Strompreisverlauf

Im Sommer beginnen Solaranlagen häufig schon früh am Morgen mit der Stromerzeugung. Dadurch können erneuerbare Energien einen großen Teil des morgendlichen Strombedarfs decken. Im Herbst und Winter sieht das anders aus.

Die Tage werden kürzer und die Sonne steht tiefer. Dadurch ist die Sonneneinstrahlung geringer und Solaranlagen erzeugen in der Regel weniger Strom. Hinzu kommt, dass die Stromproduktion morgens später beginnt und am Nachmittag früher endet.

Gleichzeitig steigt die Stromnachfrage morgens unabhängig von der Jahreszeit an. Unternehmen starten ihre Produktion, Maschinen und Anlagen werden eingeschaltet und auch in den Haushalten steigt der Stromverbrauch. Zu diesem Zeitpunkt steht jedoch oft noch vergleichsweise wenig Solarstrom zur Verfügung.

Weht gleichzeitig wenig Wind, müssen andere Kraftwerke den zusätzlichen Strombedarf decken. Häufig kommen dann Gas- oder Kohlekraftwerke zum Einsatz, die Strom zu höheren Kosten erzeugen. Das kann die Preise innerhalb kurzer Zeit deutlich steigen lassen.

Am Abend zeigt sich häufig ein ähnliches Bild: Die Solarstromerzeugung geht zurück, während die Stromnachfrage weiterhin relativ hoch bleibt. Steht dann auch wenig Windstrom zur Verfügung, können die Preise erneut stark ansteigen.

 

 

Von 343 auf 157 €/MWh: Strompreise schwanken innerhalb weniger Stunden

Wie stark sich Strompreise innerhalb eines Tages verändern können, zeigte sich am 14. Oktober 2026 am österreichischen Spotmarkt.
Am Morgen stiegen die Preise von rund 157 €/MWh um 3:00 Uhr auf 343 €/MWh um 8:00 Uhr. Der Grund: Es wurde wenig Windstrom erzeugt und die Solarstromproduktion war am frühen Morgen noch gering.

Im weiteren Tagesverlauf änderte sich die Situation deutlich. Mit zunehmender Solarstromerzeugung fielen die Preise bis 12:45 Uhr wieder auf 167 €/MWh. Das entspricht einem Rückgang von rund 50 % gegenüber dem Morgen. Die Entspannung hielt allerdings nicht lange an. Als die Solarstromproduktion am Abend zurückging, mussten wieder mehr konventionelle Kraftwerke einspringen. Die Strompreise stiegen daraufhin erneut auf 303 €/MWh um 18:45 Uhr. Damit legten die Preise zwischen Mittag und Abend um rund 75 % zu.

Auch am 20. Oktober zeigte sich ein ähnliches Bild: Um 13:00 Uhr kostete Strom noch 203 €/MWh. Nur gut sechs Stunden später, um 19:15 Uhr, lag der Preis bereits bei 272 €/MWh. Ein Anstieg von rund 34 % innerhalb weniger Stunden.

Diese Beispiele zeigen, wie stark die Verfügbarkeit von Wind- und Solarstrom die Preise beeinflusst. Für Unternehmen wird damit auch immer wichtiger, zu welchen Zeiten sie Strom verbrauchen.

 

Windenergie gewinnt im Herbst und Winter an Bedeutung

Während Solarstrom die Preise vor allem tagsüber beeinflusst, kann Windenergie rund um die Uhr für deutliche Preisunterschiede sorgen.

An windreichen Tagen steht mehr kostengünstiger Strom zur Verfügung. Dadurch werden weniger teure Gas- oder Kohlekraftwerke benötigt und die Strompreise können sinken. Weht dagegen wenig Wind, kann der Bedarf an konventionell erzeugtem Strom steigen und die Preise nach oben treiben. Dies ist besonders im Herbst und Winter relevant. Da die Solarstromerzeugung zurückgeht, wird die Verfügbarkeit von Windenergie zu einem immer wichtigeren Faktor für die Strompreisbildung.

Auch die Vernetzung der europäischen Strommärkte spielt eine Rolle. Die Niederlande, Belgien, Deutschland und Österreich sind Teil eines miteinander verbundenen Strommarktes. Veränderungen bei der Stromerzeugung und der Nachfrage in einem Land können daher auch die Preise in den Nachbarländern beeinflussen, da Strom über Ländergrenzen hinweg gehandelt wird. Auch die Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke beeinflusst die Strompreise in Europa.

Wie deutlich die europäischen Strompreise zusammenhängen, zeigte sich ebenfalls am 14. Oktober. Während die Preise am Morgen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Österreich noch deutlich auseinanderlagen, näherten sie sich am Abend stark an. Zwischen 19:00 und 20:00 Uhr lagen die Preise in allen vier Ländern bei rund 300 €/MWh.

 

Was bedeutet das für Unternehmen als Stromverbraucher?

Die starken Preisschwankungen zeigen: Für die Stromkosten eines Unternehmens ist nicht nur entscheidend, wie viel Energie es verbraucht, sondern auch wann und wie der Strom eingekauft wird.

Besonders im Herbst und Winter können die Preise schnell steigen, wenn wenig Wind- und Solarstrom verfügbar ist und gleichzeitig viel Strom benötigt wird.

Für Unternehmen lohnt es sich deshalb, den eigenen Stromverbrauch und die Entwicklungen am Energiemarkt genau zu kennen. Wer seinen Stromverbrauch kennt und die Marktentwicklungen im Blick behält, kann seine Einkaufsstrategie gezielter darauf abstimmen.

Scholt Energy unterstützt Sie dabei. Wir beobachten die Energiemärkte, ordnen Preisentwicklungen ein und beraten Sie bei Ihrem Energieeinkauf. Mit einer Kombination aus Spot- und Terminmarkt können Sie Marktchancen nutzen, Preisrisiken begrenzen und selbst entscheiden, wie viel Flexibilität und Preissicherheit zu Ihrem Unternehmen passt.